Renate Gottschewski
 

Liebe Schwestern und Brüder,

zum Sonntag der Kreuzerhöhung wird gelesen aus dem Johannes-Evangelium: Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. (Joh 3, 17)

Am 21. August hat sich der Todestag von Christoph Schlingensief zum zehnten Mal gejährt. „Ach Christoph, mein Christoph ..“, denke ich beim Lesen der Zeitungsnachricht. Nein, ich kannte Herrn Schlingensief nicht persönlich. Mir ist er dennoch wie ein Bruder sehr nah. Das liegt an einem seiner letzten Werke im Jahr 2008 für die Ruhrtriennale namens „Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“.

In der Sonntagslesung zum 30. August heißt es: Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. ( Mt 18, 17)

Hier geht es beim Binden und Lösen um eine verbindende oder gelöste zwischenmenschliche und  zwischen Gott und Mensch bestehende Beziehung. Was die Gemeinde verkündet und beschließt, wird von Gott bestätigt. Was für ein Vertrauen, das der liebe Gott da in uns Sünder setzt! Er traut uns zu, dass wir fähig sind, Einsicht in unsere Sünden zu bekommen, also uns selbst zu erkennen. Und er traut jedem von uns zu, das auch „bekennen“ zu können;  also zu sagen „ Ich weiß, ich war’s.“ oder eben „Ich weiß, ich war’s nicht.“ – und damit Verantwortung zu übernehmen. 

Ich schlage ein posthum erschienenes Buch von Herrn Schlingensief auf mit dem Titel: „Ich weiß, ich war’s“. „Gott braucht dich“, steht da. Und Herr Schlingensief schrieb sinngemäß dazu: „Das sagt Aino, meine geliebte und so nüchterne Aino, ausgerechnet sie -  dass Gott mich brauche, ausgerechnet so einen wie mich.“

Gott rettet - jeden, der willens ist - der Verantwortung übernimmt – für sich und für andere -  der sagt: „Ich weiß. Ich war’s“ - oder?

Ist doch eigentlich ganz leicht - denn wir als Christen sind ja schon auf Erden erlöst und mit einem Fuß im Himmel, wie unten auf dem Foto zu sehen ist. „Ich weiß. Ich war’s“.

 

 

Liebe Grüße von Renate Gottschewski.