Liebe Schwestern und Brüder,

pünktlich nach Ende der Ferienzeit habe ich einen kleinen Reisetipp für Sie: Fahren Sie doch mal nach Banyas! Am besten natürlich in Nach-Corona-Zeiten. Der kleine Ort am Fuß des Hermongebirges in den Golanhöhen, ein Naturreservat an einer der drei Jordan-Quellen (dem Banyas-Fluss), lohnt sich auf jeden Fall! Die massiven Felsen, der frische und klare Quellfluss, die Wasserfälle und die malerische Natur rundherum laden dort zu einem Spaziergang an einem geschichtsträchtigen Ort ein.

Banyas ist der arabische Name für den antiken griechischen Ort Paneas, an dem sich zur Zeit Jesu ein großes Heiligtum des griechischen Hirtengottes Pan befand. Dieser Pan hat sich in unserer Sprache zumindest in zweierlei erhalten: nämlich einmal in der Pan-Flöte, die dieser Hirtengott spielt, und im pan-ischen Schrecken, den dieses Flötenspiel insbesondere bei Herdentieren ausgelöst haben soll. In neutestamentlicher Zeit heißt Banyas Caesarea Philippi und ist im heutigen Sonntagsevangelium (Mt 16,13-20) der Ort, an dem sich die Begegnung zwischen Petrus und Jesus abspielt.

Und vielleicht ist es genau dieser Hintergrund, der ein neues Licht auf das Gespräch zwischen Jesus und Petrus wirft: Am Anfang und in der Mitte dieser Geschichte steht die Frage, wer Jesus ist; zunächst ganz allgemein und dann ganz persönlich: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16,15). Simon fasst das, was er von Jesus verstanden hat, in sein Bekenntnis: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (V. 16). Und auf dieses kurze Glaubensformel folgt dann ein Bekenntnis Jesu zu Simon: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ (V. 18). Jesus sagt das in Banyas angesichts der beeindruckenden Felsen und angesichts der Geschichte des Ortes. Und das heißt dann: In diesem Zwiegespräch mit Jesus geht es nicht nur um eine Glaubensformel, sondern vor allem: weicht der panische Schrecken, die Angst, einem gegenseitigen Vertrauen. Das ist kein (furchteinflößender) Zauber wie ihn der Hirtengott Pan bereitet, das Gespräch mit Jesus ist aber zauberhaft und wunderbar. Von dieser kleinen Frage Jesu an jeden und jede einzelne von uns hängt es ab, dass sich unsere Perspektive in ein Vertrauen wandelt: Du aber, für wen hältst Du mich?

Und wenn Sie mal nach Banyas kommen, dann nehmen Sie sich dort in dieser wunderbaren, urtümlichen Natur einen Augenblick für diese alles entscheidende Frage: Wer ist Jesus eigentlich für mich? Was bedeutet er für mich / für mein Leben?

Zu Hause kann man sich diese Frage natürlich auch stellen; immer mal wieder…

Bleiben Sie behütet!
Alexander Jaklitsch, Pastoralreferent